Herbert Clyde Lewis: Gentlemen über Bord
hallo liebe
literaturfreundinnen liebe
Literaturfreunde ich freue mich dass Sie
heute wieder dabei sind bei unserer
Buchkritik die damals in den
coronajahren regelmäßig begonnen hat und
jetzt nach längerer Pause wieder
aufgenommen wird ich möchte ihn einfach
in lockerer Folge Bücher vorstellen die
mich beeindruckt haben die mir
lesenswert erscheinen um ihn somit auch
Orientierung zu geben in der Flut der
Neuers die jedes Mal im Frühjahr und im
Herbst die Büchertische überschwemmen
heute habe ich für Sie das Buch eines
amerikanischen Autors mitgebracht und
zwar ist das Herbert Kleid Lavis
Gentleman über
Bord ich lese ihn den Eingang als Henry
Preston stand kopfüber in den
Pazifischen Ozean fiel ging am östlichen
Horizont gerade die Sonne auf das Meer
war so still wie eine Lagune das Wetter
so mild und die Brise so sanft dass man
nicht
umhink sich auf wunderbare Art traurig
zu fühlen in diesem Teil des Pazifiks
vollzog sich der Sonnenaufgang ohne
großes Tamtam die Sonne setzte lediglich
ihre orangefarbene Kuppel auf den fernen
Saum des großen Kreises und schob sich
langsam aber beständig nach oben bis die
Sterne mehr als genug Zeit hatten mit
der Nacht zu
verblassen tatsächlich dachte es
ständisch gerade über den gewaltigen
Unterschied zwischen dem Sonnenaufgang
und dem Sonnenuntergang nach als er den
unglücklichen Schritt machte der ihn in
die See beförderte er dachte dass die
Natur ihre ganze Freigebigkeit auf die
herrlichen Sonnenuntergänge
verschwendete die wollten mit einem
solchen Schwall von Farben malte so
glänzend dass kein Mensch mit einem Sinn
für Schönheit sie je vergessen könnte
und er dachte dass aus irgendeinem
unerklärlichen Grund die Natur über eben
diesem Ozean ungewöhnlich knausrig sei
mit ihren
Sonnenaufgängen ein frappierender
romaneingang der einem sofort in Band
schlägt was ist passiert da fällt ein
Mann vom Schiff in den
und man erwartet doch jetzt Strecken und
Panik und Angst aber nein es folgt eine
ganz wunderbare und ruhige
naturschilderung als seit es völlig
selbstverständlich einer der etwas in
Vergessenheit geraten ist beherrschte
das ebenso und zwar Johann Peter Hebel
in seinen Kalendergeschichten ich gebe
ihn dafür mal zwei Beispiele in der
Seeschlacht von trfelger während die
Kugeln sausten und die mastbäume
krachten fand ein Matrose noch Zeit sich
zu kratzen wo es ihn B nämlich am Kopf
oder diese Stadt heißt schon seit
undenklichen Zeiten leiden und hat noch
nie gewusst warum bis am 12 jänar des
Jahres 1807 man stand an diesen Morgen
noch auf wie alle Tage hier wird
Spannung auf
plötzlich ist man mitten im Geschehen
und genauso gelingt das dann Autor
Herbert Kleid Lewis den Bogen über 150
Seiten aufrecht zu
erhalten wer ist denn dieser Henry
Preston stish der unfreiwillig überbord
geht standis ein wahrer Gentleman der
noch auf dem Frachter Wert auf
schickliche Kleidung legte war 35 Jahre
alt und stand physisch im Zenit wie er
von sich sagt und hat sich nie wohler
gefühlt in seinem Leben geschaukelt vom
leichten Wellengang des Meeres unter der
Galaxie der Sterne am Nachthimmel
erschienen ihm die leidigen Probleme
seines Lebens
bedeutungslos hatte er denn Probleme er
hatte eine Bilderbuchkarriere als
Börsenmakler gemacht eine attraktive
Frau geheiratet und zwei Kinder gezeugt
ein typisches Leben der amerikan
Mittelschicht der 30er
Jahre schon in seiner Jugend hatte er
von allem das Beste empfangen ohne zu
bemerken dass es das Beste war auf
fantasielose Weise nahm er alles für
selbverständlich eine strenge Erziehung
hatte ihm die lebhaften Farben entzogen
und ihn als so langweilig wie eine
Leinwand in grau
zurückgelassen und so erledigte er alles
es ordentlich aber ohne
Begeisterung bis auf den schicksalhaften
Spaziergang im Central Park
währenddessen er beschloss auszubrechen
kurz entschlossen ohne sich richtig von
seiner Familie zu verabschieden richt er
für viele Wochen auf und gelang
schließlich nach Hawai wo er sich ein
Platz auf der Arabella sicherte die in
21 Tagen Panama erreichen
sollte bereute seine Entscheidung
überhaupt nicht bis zum 13 Tag die
Stelle an der Standish über Bord fiel
befand sich etwa 12° nördlicher Breite
und 108° westlicher Länge im Pazifischen
Ozean
lakonisch und mit feinsinniger Ironie
schildert der kaum merkliche Erzähler
dass der hintreiben des Schiffbrüchigen
sein schwanken zwischen Hoffnung auf
Rettung und mit dem Nachlassen der
physischen Kräfte auch seine Wut und
seine Angst nach und nach ist er
gezwungen sich seiner Kleidung zu
entledigen
Standy streibt jetzt im Pazifischen
Ozean und hat folgende Gedanken andere
Papiere in der Brieftasche waren
gleichermaßen interessant die 500 $ in
Form vom reischecks waren durch Nest
doch bei der Bank gab es zweifellos
Vorkehrungen sie
einzulösen nachdem er begründet hätte
warum sie durchnä waren so seine
Vorstellung g es keine Schwierigkeiten
neue zu bekommen das kleine Adressbuch
dass er vor 5 Jahren angelegt hatte wäre
ein großer Verlust sofern seine Seiten
unlesbar gemacht würden er bräuchte
viele Monate um ein neues zu erstellen
die Mitgliedskarten für den finance Club
den Golfclub den ycub stellten kein
Problem dar nachdem die Direktoren der
verschieden Unternehmen von seinem
seltsamen Erlebnis erfahren hätten
würden sie sich fraglos glücklich
schätzen ihm die alten durch
goldgeränderte Karten zu ersetzen aber
jener schnaapschuss mit Olivia ihm
selbst und den Kindern den seine Mutter
bei ihrem letzten Besuch in den oranges
vor fast 5 Monaten gemacht hatte
bekümmerte standis er betrachtete ihn
lange und versuchte das Wasser
abzuwischen er fragte sich was sie alle
gerade gemacht hatten in so weiter Ferne
auf dem trockenen Land zur Ausbeute der
Brieftasche gehörten auch eine alte
Mietbescheinigung etliche
Papierschnipsel für die er keine
Erklärung hatte und ein Block mit drei
centbriefmarken Standish dachte über
diese Dinge nicht allzu lange nach er
nahm seine Schlüssel Geld
füllfederhandler Kamm Nagelpfeile und
Lesebrille aus den diversen Taschen
seines Mantels seiner Weste und Hose
heraus und steckte sie in die
Brieftasche mit einem Seufzer der
Erleichterung packte er dann die
Brieftasche fest mit seiner rechten Hand
und schlüpfte aus seinem Mantel er
knöpfte seine westste auf und entledigte
sich dieses Kleidungsstücks er streifte
seine Hosenträger von den Schultern und
wand sich aus seinen Hosen die Hosen
schwammen sofort weg doch der Mantel und
die Weste bewegten sich eine Weile hin
und her bevor sie verschwanden
schließlich riss sich standis sein Hemd
vom Leib und warf es von sich ein Stück
aus gutem weißen englischen walkalstoff
der ganzen Anstrengung war er jetzt müde
aber als er seine Brieftasche an der
Schlaufe seiner Sporthose sicherte und
sich dann auf den Rücken drehte wie er
es als Jugendlicher getan hatte kehrten
seine Kräfte schnell zurück er atmete
regelmäßig füllte seine Lunge mit der
sauberen staubfreien Luft er war weder
von Angst erfüllt noch betrachtete er
seine missliche Lage mit großer Sorge
nur ein Gefühl der Verwunderung über die
unermessliche weite stellte sich bei ihm
ein er war Ines leicht beunruhigt dass
die Arabella bislang noch nicht kehrt
gemacht hatte denn sie war jetzt nicht
größer als ein Fass er war sich
allerdings sicher dass sie jeden Moment
umkehren würde standis lag reglos im
Wasser und wurde von dem kaum merklichen
Wellengang sachte hin und her getragen
er fühlte sich kudel
wohl während der Erzähler ständis auf
dem Meer dahin treiben lässt wendet er
seine Aufmerksamkeit der kleinen
bordgesellschaft zu die standis fehlen
zunächst nicht bemerkt treffend und mit
wenigen Strichen entwirfte einen
mikrokos der amerikanischen Gesellschaft
der 30er Jahre bis auf den alten feret
mit dem standis ein freundschaftliches
Verhältnis angeknüpft hatte sind alle
viel zu sehr mit sich selbst beschäftigt
und dann voller
Beschwichtigungsversuche als das
unvermeintliche klar
wird man kann sich den Zug dieses
erzählstroms einfach nicht entziehen man
fiebert mit ihm Mitte schaffen und
gleichzeitig bewegt an seine Veränderung
hier erwacht ein vollens abgestumpfter
Mensch gefangen in der Lehre seiner
Nichtigkeit so urteilt der Erzähler im
angesichts des Todes zum Leben wie es
dem Autor gelingt diesen
Verwandlungsprozess sowohl distanziert
ironisch als auch empathisch zu
beschreiben das ist große Literatur
standis smut sein unbedingter Wille zu
käm kämpfen sein Scharfsinn und seine
Ausdauer sind bewundernswert aber
täuschen nie darüber hinweg dass hier
ein verzweifelter Mensch den gewaltigen
Naturkräften ausgesetzt ist standis
Versuch der Arabella
entgegenzuschwimmen die ihn ja suchen
musste misslingt er ist in die falsche
Richtung
geschwommen
warum habe ich das getan
schistendisch obwohl ihm kein Wort aus
der ausgedörten Kehle Trang er wusste
warum die Sonne war alles was noch übrig
geblieben war woran sich seine Hoffnung
knüpfen konnte er hatte vergessen dass
die Welt sich weitergedreht hatte
während er die letzten 13 Stunden über
im Meer gewesen war selbst wenn die
Arabella umgekehrt war um nach ihm zu
suchen hatte er jetzt alles schwieriger
gemacht und er hatte keine Kraft wieder
zurückzuschwimmen
dies war es Abend und bald würde die
Nacht
hereinbrechen es war ja schon Nacht die
mattensterne Waren zum Vorschein
gekommen die Abendsterne und ein blauer
Schatten kroch über die trübselige Welt
mit schmerzhaft brennenden fast
vollständig blinden Augen sah er zu wie
die Sterne aufgingen und ihren Namen auf
sein schmerzendes Herz schriben
qualvolle Kälteschauer ließen seinen
Körper
erzittern seine Lippen waren so Purpur
wie der sichbfinsternde Himmel der
majestätische
atememberaubende und einsame Himmel er
wusste jetzt auch dass es nichts
annähernd so schreckliches gab wie den
Umstand der letzte Mensch auf einer
flachen Erde zu sein allein genau in der
Mitte eines zum Wahnsinn treibenden
Kreises viel zu einsam war es hier als
dass ein zivilisierter Mensch es hätte
aushalten
können somit bleibt am Schluss das Bild
eines verlassenen Menschen der begreifen
muss dass der Tod ein Teil des gerade
von ihm entdeckten Lebens ist der
Kommentator am Schluss des Buches
schreibt Levis hält den Spannungsbogen
bis zum Schluss und er hat eine
Geschichte zu erzählen die einerseits in
der Schilderung der Gruppe an Bord ein
Gesellschaftsporträt inü ist
andererseits aber in seinen Blick auf
die Welt als
existenzialistischer Roman gelesen
werden
kann
dem Engagement des mareverlags ist es zu
verdanken dass dieses kleinot das
übrigens schon
1977 erschienen ist aber jetzt erst auf
Deutsch vorlegt wieder aufgelegt wurde
es ist das einzig wesentliche Werk des
früh verstorbenen Autors der nach einem
bewegten Leben einsam in New York
1950 in einem Hotelzimmer gestorben ist
noch einmal
Gentleman
Herbert Kleid leevis m Verlag
169 Seiten bis zum nächsten mal ich
werde beim nächsten Mal ein sehr sehr
aktuelles Buch vorstellen nämlich Radio
Sarajevo
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