0:04
1927 dem Zeitpunkt des Erscheinens von
0:08
Sein und Zeit sind eine Periode
0:12
Produktivität in großen Vorlesungen
0:15
werden die Themen von Sein und Zeit
0:18
bereits entfaltet gemessen an diesem
0:21
gedanklichen massiv in der Gesamtausgabe
0:24
sind es anderthalbtausend Seiten ist
0:27
sein und Zeit fast nur die Spitze eines
0:31
allerdings werden in diesem Werk die
0:33
Gedanken in einer ausgetüftelten
0:36
Architektonik und terminologisch
0:39
hochgerüstet vorgetragen dabei sind auch
0:42
die Baugerüste die methodischen
0:45
Vorkehrungen also stehenblieben wodurch
0:48
das Werk den Eindruck monströser
0:50
Schwerfälligkeit erwecken musste das hat
0:54
seine Wirkung in der akademischen Szene
0:57
der ja das einfache eher chtig ist nicht
1:02
beeinträchtigt in der allgemeinen
1:04
Öffentlichkeit gehört die Dunkelheit des
1:06
Buches zu seinem Nimbus es konnte offen
1:09
bleiben ob das Dasein selbst oder nur
1:12
seine Analyse so dunkel sei auf jeden
1:15
Fall wirkte das ganze irgendwie
1:18
geheimnisvoll in sein und Zeit arbeitet
1:22
heidiger an dem philosophischen Nachweis
1:25
dass menschliches Denken keinen anderen
1:28
Halt hat als dieses da das es zu sein
1:32
hat im gewissen Sinne setzt er die
1:35
Arbeit nietsches fort den Tod Gottes
1:39
Denken und die letzten Menschen
1:41
kritisieren die sich mit kümmerlichen
1:44
ersatzgöttern behelfen und das Entsetzen
1:47
über das Verschwinden Gottes erst gar
1:49
nicht zulassen in sein und Zeit lautet
1:54
die Formel für die Fähigkeit sich
1:56
Entsetzen zu können Mut zur Angst
2:01
die Angst sie ist die umschattete
2:05
Königin unter den Stimmungen man muss
2:07
sie unterscheiden von der Furcht diese
2:10
richtet sich auf etwas Bestimmtes sie
2:13
ist kleinkariert die Angst aber ist
2:16
unbestimmt und so grenzenlos wie die
2:18
Welt das wovor der Angst ist die Welt
2:21
als solche vor der Angst sinkt alles
2:25
nackt zu Boden aller Bedeutsamkeit
2:28
entkleidet die Angst ist souverän sie
2:32
kann mächtig in uns werden aus nichtigem
2:34
Anlass wie sollte sie auch nicht denn
2:37
ihr eigentliches visav ist das nichts
2:40
wer Angst hat dem vermag die Welt nichts
2:44
mehr zu bieten ebensowenig das mitdasein
2:48
anderer die Angst duldet keine anderen
2:51
Götter neben sich sie vereinzelt in zwei
2:54
Hinsichten sie zerreißt das Band zu
2:57
Mitmenschen und sie lässt den einzelnen
3:02
vertrautheitsbezügen zur Welt sie
3:04
konfrontiert das Dasein mit dem nackten
3:06
das der Welt oder des eigenen Selbst und
3:10
was dann übrig bleibt wenn das Dasein
3:13
durch das kalte Feuer der Angst gegangen
3:15
ist ist nicht nichts was ihm die Angst
3:19
verbrannte hat den Glutkern des Daseins
3:23
freigelegt heidiger schreibt das
3:26
Freisein für die Freiheit des sich
3:31
ergreifens in der Angst erfährt also das
3:35
Dasein die Unheimlichkeit der Welt und
3:38
die eigene Freiheit so kann die Angst
3:41
zugleich beides sein Weltangst und Angst
3:47
Freiheit diese Analyse in sein und Zeit
3:50
ist von kirkegart angeregt bei dem die
3:54
Angst vor der Freiheit die Angst vor dem
3:56
schuldig werden ist Kirke
4:00
versucht die Angst zu überwinden durch
4:02
den Sprung in den Glauben ein Sprung
4:06
über den Abgrund heidigers Angst ist
4:10
nicht das Vorspiel dieses Sprungs er hat
4:13
den Glauben seines Herkommens verloren
4:16
bei heidiger ist die Angst nach dem
4:19
Sprung wenn man schon dabei ist
4:23
abzustürzen selbstverständlich lebt
4:26
heidigers Philosophie der Angst auch aus
4:29
der all gemein krisenhaften Stimmung der
4:31
20er Jahre das Unbehagen in der Kultur
4:34
Freuds ess unter diesem Titel erschien
4:37
1929 war weit verbreitet die
4:40
weltanschauungsessäistik dieser Jahre
4:42
war geprägt vom unbehaglichen Gefühl
4:45
einer untergehenden verkehrten oder
4:48
entfremdeten Welt die Diagnosen waren
4:51
düster und die Therapieangebote
4:54
zahlreich Konjunktur hatten die Versuche
4:57
das unheile Ganze aus einem Punkt zu
4:59
kurieren wie in der Politik wmars die
5:02
demokratische Mitte vom Extremismus der
5:05
totalveränderer zerrieben wurde so
5:08
dominierte auch in der krisenphilosophie
5:11
jener Jahre das Ausweichen in extreme
5:14
Lösungen sie trugen verschiedene Namen
5:18
Proletariat das Unbewusste die Seele das
5:21
heilige das Volkstum und so weiter sein
5:26
und Zeit gehörte in diese krisenhafte
5:29
Stimmung Lage aber unterschied sich vom
5:32
einschlägigen Genre dadurch dass hier
5:36
keine Therapie angeboten wurde freud
5:39
hatte 29 seine Diagnose über das
5:42
Unbehagen in der Kultur mit den Worten
5:45
eingeleitet so sinkt mir der Mut vor
5:48
meinen Mitmenschen als Prophet
5:50
aufzustehen und ich beuge mich ihrem
5:52
Vorwurf dass ich ihnen keinen Trost zu
5:55
bringen weiß denn das Verlangen sie im
6:00
diese Worte passen auch auf das
6:02
heidigersche Unternehmen auch er denkt
6:05
aus der Erfahrung des Unbehagens und
6:08
weigert sich als Prophet aufzustehen und
6:12
Trost zu bringen allerdings ließen sich
6:16
mit heidigers empathischer Frage nach
6:19
dem Sinn von sein solche Erwartungen
6:23
sehr wohl wecken sie wurden auch geweckt
6:27
aber eben nicht erfüllt
6:29
dass diese Erwartung enttäuscht werden
6:32
muss gehört zur Botschaft von Sein und
6:35
Zeit die da lautet es steckt nichts
6:38
dahinter der Sinn von sein ist die Zeit
6:43
die Zeit aber ist kein Füllhorn von
6:46
gaben sie gibt uns keinen Gehalt und
6:49
keine Orientierung der Sinn ist die Zeit
6:53
aber die Zeit gibt keinen
6:56
Sinn von hier aus e sich auch der Sinn
7:01
der heidigischen Begriffe von
7:06
Uneigentlichkeit uneigentlich ist wer
7:09
vor der Zeit flieht vor der
7:11
Vergänglichkeit vor dem Tod eigentlich
7:15
ist wer sich dem Tod der Vergänglichkeit
7:20
stellt Martin heidiger wird
7:25
1928 auf den husser Lehrstuhl nach ur
7:30
Berufen hussol selbst hatte sich für
7:32
heidiger als Nachfolger
7:35
eingesetzt in heidigers Schriften und
7:40
1928 ist ein neuer Ton zu
7:43
vernehmen dieser neue Ton übte damals
7:47
eine gewaltige Wirkung aus auf die Hörer
7:51
Heinrich Wigand petzet der als Student
7:54
die Antrittsvorlesung was ist Metaphysik
7:59
es war als Spalte ein riesiger Blitz
8:02
jenen dunkelverhangenen Himmel in einer
8:05
fast schmerzenden helle lagen die Dinge
8:08
der Welt offen da es ging nicht um ein
8:11
System sondern um Existenz es hatte mir
8:14
die Sprache verschlagen als ich die Aula
8:17
verließ mir war als hätte ich einen
8:20
Moment auf den Grund der Welt
8:25
heidiger will seine Zuhörer zwingen für
8:29
einen Augenblick auf den Grund der Welt
8:32
zu blicken der Grund die Begründung alle
8:36
diese Sätze vom zureichenden Grund die
8:39
wissenschaftliche Einstellung und das
8:41
alltägliche Lebensgefühl wo man
8:43
hinblickt überall meldet sich das
8:46
Bedürfnis auf festem Boden zu stehen
8:50
heidiger lässt die verschiedenen
8:52
Varianten von Solidität und
8:55
behaustheit mit leicht spöttischem
8:57
Unterton revü passieren
9:00
wie aber steht es mit dem Nichts fragt
9:02
er dazwischen wer radikal nach dem Grund
9:06
und den Gründen fragt muss der nicht
9:08
irgendwann einmal entdecken dass der
9:11
Grund ein Abgrund ist dass ein etwas
9:15
sich vor uns nur abheben kann auf dem
9:21
nichts an diesem Nullpunkt des Nichts
9:25
vollzieht heidiger eine überraschende
9:29
dieses augenblicksweise versinken ins
9:32
Nichts nennt er ein hinausssein über das
9:37
Seiende es ist ein Akt des
9:40
transzendierens wodurch es uns überhaupt
9:43
erst möglich ist vom Seienden als einem
9:45
Ganzen zu sprechen natürlich können wir
9:48
auch abstrakt das Thema des ganzen
9:51
ansprechen wir bilden rein gedanklich
9:54
einen über oder Sammelbegriff totum das
9:58
ganze doch das so verstandene ganze hat
10:02
keine erlebte Wirklichkeit es ist nur
10:05
Begriff ohne Gehalt erst wenn das
10:08
beängstigende Gefühl aufkommt dass es
10:11
nichts auf sich hat mit diesem ganzen
10:14
wird es zu erlebten Wirklichkeit eine
10:17
Wirklichkeit die nicht auf uns zukommt
10:22
weggleitet wem die Wirklichkeit in der
10:25
Angst entgleitet der erfährt darin dass
10:29
Drama des Abstandes der ängstigende
10:32
Abstand beweist dass wir nicht ganz von
10:35
dieser Welt sind dass wir über sie
10:37
hinausgetrieben werden abgetrieben nicht
10:40
in eine andere Welt sondern in eine
10:44
Lehre mitten im Leben sind wir von Lehre
10:48
umfangen in der Transzendenz dieses
10:52
Lehren Spielraums der sich zwischen uns
10:55
und der Welt auftut erfahren wir die wir
11:01
hineingehaltenheit in das
11:03
nichts jede warum Frage zährt von jener
11:07
letzten Frage warum ist etwas und nicht
11:10
viel mehr nichts wer sich selbst oder
11:13
die Welt wegdenken kann wer nein sagen
11:16
kann handelt in der Dimension des
11:19
nichtens des nichts er beweist dass es
11:23
das gibt das nichts der Mensch ist sagt
11:27
heidiger Platzhalter des
11:30
Nichts die Transzendenz des Daseins ist
11:36
nichts wie hat man sich dieses
11:39
transzendieren das heiliger auch
11:41
verwegenes Dasein nennt
11:45
vorzustellen gehen wir auf die eisigen
11:48
Höhen von Davos wo im Frühjahr
11:52
1929 macht den heidiger zusammen mit
11:55
Ernst Kassierer bei der Davoser
11:58
hochschulwoche seinen inzwischen
12:02
hatte beide hielten vor geladenem
12:05
internationalem Publikum mehrere
12:08
Vorträge der Höhepunkt dieser Woche war
12:10
ein Streitgespräch ein großes Ereignis
12:14
die internationale Presse war
12:16
angereist wer philosophisch etwas auf
12:19
sich hielt war dabei oder las doch
12:22
wenigstens drunten im Flachland die
12:24
Berichte denn das Zeitalter der
12:26
rundfungübertragung hatte noch nicht
12:29
Martin heidiger befand sich auf dem
12:31
ersten Höhepunkt seines Ruhmes auch
12:34
kassira war ein Star und stand in hohem
12:37
Ansehen sein Hauptwerk die Philosophie
12:41
der symbolischen Formen war in den 20er
12:44
Jahren erschienen ein monumentales Werk
12:48
Kulturphilosophie er galt als der große
12:51
Repräsentant einer humanistischen
12:56
universalgestimmten kultualismus
13:01
1929 kurz nach dem Davosa Gipfeltreffen
13:05
hatte er das Rektorat der Universität
13:07
Hamburg übernommen der erste Jude der
13:10
zum Rektor einer deutschen Universität
13:12
gewählt wurde das war um soo
13:15
bemerkenswerter weil Kassierer zum Ärger
13:18
der reaktionären professorenmehrheit
13:21
öffentlich für die Republik
13:23
eintrat diese Rede hatte in Hamburg
13:26
Protest und Polemik ausgelöst der
13:29
konziliante Kassierer war unversehens in
13:32
erbitterte kampffronten geraten weshalb
13:36
dann seine Wahl zum Rektor auch als ein
13:39
Triumph des liberalen Geistes über
13:42
Hamburg hinaus gefeiert wurde kassira
13:48
verfassungspatriot dieser Grand Seigneur
13:51
des politischen Humanismus und der
13:56
Kulturphilosophie war also von der
13:59
anstaltungsregie in der wos als
14:01
wiedderpacht von Martin heideger
14:03
eingeladen worden der seinerseits für
14:06
das neue existenzielle revolutionäre
14:10
stand die Teilnehmer fühlten sich
14:12
erinnert an die legendären Disputationen
14:15
des Mittelalters als die Matadore der
14:18
geistig mächtigen zeittendenzen
14:20
aufeinander trafen ein metaphysisches
14:24
waffenklirren auf den schneeglitzernden
14:28
Davos doch es gab noch eine andere
14:31
Reminiszenz nicht in der Tiefe der Zeit
14:38
Imagination dort oben in Davos hatte
14:41
Thomas Mann in seinem
14:44
1924 erschienenen Roman der Zauberberg
14:49
setettembrini und den Jesuiten NAFTA
14:52
ihre große Debatte führen lassen es
14:55
waren Archetypen der geisterschlacht
15:01
settimbrini dieses unbußfertige Kind der
15:04
Aufklärung ein liberaler ein
15:08
antiklerikaler ein Humanist von
15:11
Beredsamkeit und auf der anderen Seite
15:14
NAFTA der Apostel des Irrationalismus
15:19
Inquisition verliebt in den Eros des
15:21
Todes und der Gewalt für setbrini ist
15:25
der Geist eine Macht des Lebens dem
15:27
Menschen zu Nutz und
15:29
gben NAFTA aber liebt den Geist gegen
15:33
das Leben settimbrini will die Menschen
15:37
heben trösten erweitern NAFTA aber will
15:40
Ihnen einen Schrecken einjagen sie aus
15:43
dem humanistischen Lotterbett
15:46
aufscheuchen sie aus ihren Behausungen
15:48
der Bildung vertreiben und ihrem
15:51
eigigenünkel das Genick brechen setbrini
15:55
meint es gut mit den Menschen NAFTA ist
16:01
Terrorist Teilnehmer der Davosa
16:04
hochschulwoche fühlten sich tatsächlich
16:06
an jenes imaginäre Ereignis erinnert
16:10
kotriiezler damals Kurator der
16:12
Frankfurter Universität und ein
16:15
Begleiter heidigers bei den Skitouren in
16:17
die Berge spielt in seinem Bericht für
16:19
die neue zuricher Zeitung auf diese
16:22
zauberbergepisode an hinter Kassier also
16:31
NAFTA heidiger selbst hatte den
16:35
zauberbergroman gemeinsam mit Hanna in
16:37
dem liebessommer von
16:42
gelesen der Eindruck dieses
16:45
Zusammentreffen sei atemberaubend
16:47
gewesen erinnert sich bolno der als
16:49
Student von heidiger eingeladen damals
16:52
dabei war die Teilnehmer hätten das
16:55
erhebende Gefühl gehabt einer
16:57
geschichtlichen Stunde bei gewohnt zu
16:59
haben ganz ähnlich wie es Goethe in der
17:01
Kampagne in Frankreich ausgesprochen
17:03
hatte von hier und heute geht eine neue
17:06
Epoche der Weltgeschichte aus in diesem
17:09
Fall der Philosophiegeschichte und ihr
17:11
könnt sagen ihr seid dabei gewesen
17:14
heidiger missfielen diese
17:16
hochgeschraubten Erwartungen in einem
17:19
Brief an Elisabeth blochmann spricht er
17:21
von der Gefahr dass das Ganze zur
17:24
Sensation werden könnte er werde mehr
17:26
als ihm lieb sei in den Mittelpunkt
17:29
gerückt deshalb habe er sich vorgenommen
17:32
das philosophische Interesse von sich
17:34
selbst abzulenken dadurch dass er sich
17:39
konzentriere weniger unangenehm war ihm
17:43
die Aufmerksamkeit die er mit seinem
17:46
unkonventionellen Auftreten im eleganten
17:49
Rahmen des Grand Hotel erregte er
17:52
berichtet Elisabeth wie er mit einem
17:54
Bekannten zwischen den Veranstaltungen
17:57
zu herrlichen Fahrten in die Berge
18:00
aufgestiegen sei in schöner Müdigkeit
18:03
voll Sonne und Freiheit der Berge noch
18:06
den ganzen klingenden Schwung der weiten
18:09
Abfahrten im Körper kamen wir dann immer
18:12
abends in unserer Skiausrüstung mitten
18:15
hinein in die Eleganz der abendlichen
18:18
Toiletten diese unmittelbare Einheit von
18:21
sachlich forschende Arbeit und völlig
18:24
gelockertem und freudigem Skilauf war
18:28
für die der Dozenten und Hörer etwas
18:33
Unerhörtes so wollte er gesehen werden
18:36
als strenger Arbeiter in den riesigen
18:39
Steinbrüchen der Philosophie als
18:41
Verächter der eleganten Welt als
18:44
Sportsmann und Naturbursche als
18:47
Gipfelstürmer und als ein Mann der
18:52
Abfahrten so ähnlich haben ihn denn auch
18:54
Zeugen dieses philosophischen
18:56
Gipfeltreffens auf den Höhen des
18:58
Zauberberg erlebt die Auseinandersetzung
19:01
zwischen heidiger und kassira so
19:03
berichtet einer der Teilnehmer hat uns
19:05
auch menschlich ungeheuer viel gegeben
19:08
dieser kleine braunschwarze Mann dieser
19:11
gute skiäufer und Sportsmann mit seiner
19:13
energischen unverrückbaren Miene dieser
19:16
herbe und abweisende manchmal geradezu
19:19
derbe Mensch der in imponierendeer
19:23
Abgeschlossenheit mit dem tiefsten
19:25
sittlichen ernste dem von ihm gestellten
19:28
b und dient auf der einen Seite und
19:32
jener andere mit seinen weißen Haaren
19:35
nicht nur äßerlich sondern auch
19:37
innerlich ein Olympier mit weiten
19:40
gedankenräumen und mit
19:43
umfassendenstellungen mit seiner
19:45
heiteren mi seinem gütigen
19:51
elaszität und nicht zuletzt seiner
19:54
aristokratischen Vornehmheit auf der
20:00
Toni kassira die Ehefrau des Philosophen
20:06
lebensrückblick sie und ihr Mann sein
20:09
von den anwesenden Kollegen ausdrücklich
20:12
auf das eigenartige auftreten heidigers
20:14
vorbereitet worden seine Ablehnung jeder
20:18
gesellschaftlichen Konvention war uns
20:20
bekannt in ihren Kreisen befürchtete man
20:24
von heidiger das Schlimmste er wolle so
20:27
munkelte man die Sophie Ernst Kassierers
20:33
vernichten doch von solcher persönlicher
20:35
Verfeindung an die Tony kassira sich
20:38
später zu erinnern glaubt war bei dem
20:40
Streitgespräch wohl nichts zu spüren es
20:43
verlief in wunderbarer Kollegialität wie
20:46
der bereits zitierte Berichterstatter
20:48
schreibt heidiger selbst wertet in einem
20:52
Brief an Elisabeth blochmann das
20:54
Zusammentreffen mit kassiera als
20:56
persönlichen Gewinn bedauer aber dass
20:59
die verbindliche Atmosphäre die
21:01
Gegensätze nicht scharf genug habe
21:04
hervortreten lassen Kassierer war in der
21:07
Diskussion äußerst vornehm und fast zu
21:10
verbindlich so fand ich zu wenig
21:13
Widerstand was verhinderte den Problemen
21:16
die nötige Schärfe der Formulierung zu
21:19
geben das Protokoll der Disputation
21:22
allerdings vermittelt diesen Eindruck
21:25
ganz und gar nicht die Gegensätze sind
21:27
denk scharf kassira fragt ob heidiger
21:33
auf diese ganze Objektivität und
21:36
Absolutheit wie sie sich in der Kultur
21:39
darstelle verzichten wolle indem er sich
21:42
zurückziehe auf das Endliche Wesen des
21:45
Menschen kassiras eigene Bemühungen sind
21:49
darauf gerichtet die symbolbildende und
21:52
damit kulturchaffende Kraft des
21:54
menschlichen Geistes als eine Welt der
21:57
Formen verständlich zu machen sie
22:00
repräsentieren zwar nicht Unendlichkeit
22:02
im traditionellen metaphysischen Sinne
22:05
aber sind doch mehr als bloße
22:09
selbsterhaltungsfunktionen eines
22:10
endlichen Wesens die Kultur ist ihm Form
22:16
transzendieren sie errichtet das
22:18
geräumige Haus des Menschen das leichter
22:22
zu zerstören als zu bewahren ist ein
22:25
zerbrechlicher Schutz gegen die i die
22:29
als das stets Menschenmögliche droht
22:33
heidiger nun wirft Kassierer vor dass er
22:37
es sich zu bequem mache in den
22:39
Behausungen des Geistes er sehe zwar
22:42
ganz richtig dass jede Kultur jede Tat
22:45
des Geistes ein Ausdruck der Freiheit
22:48
sei doch diese Freiheit könne in ihren
22:53
erstarren deshalb müsse Freiheit stets
22:57
wieder zur Befreiung werden wenn Sie zu
23:01
einem Zustand der Kultur geronnen sei
23:04
dann habe man sie bereits verloren er
23:07
sagt der einzig adäquate Bezug der
23:11
Freiheit im Menschen ist das sich
23:14
befreien der Freiheit im
23:17
Menschen für heidiger besteht das
23:21
Problem darin dass der Mensch sich in
23:24
der selbstgeschaffenen Kultur festlebt
23:28
auf der Suche nach Halt und Geborgenheit
23:31
und dadurch das Bewusstsein seiner
23:35
verliert es gilt dieses Bewusstsein
23:40
erwecken das Leiste keine Philosophie
23:45
Behagens man müsse das Dasein vor seine
23:49
ursprüngliche Nacktheit und Geworfenheit
23:54
Kassierer richte seine Aufmerksamkeit
23:57
auf die Trans endierenden Leistungen der
24:00
Kultur aus dem Kelche dieses
24:02
geisterreiches strömt ihm die
24:05
Unendlichkeit so hatte kassira Hegel
24:07
zitiert und er erspare dem Menschen die
24:11
Konfrontation mit seiner Endlichkeit und
24:14
Nichtigkeit und verkenne damit die
24:17
eigentliche Aufgabe der Philosophie die
24:20
darin besteht wie heiliger sagt aus dem
24:23
faulen Aspekt eines Menschen der bloß
24:26
die Werke des Geistes
24:29
gewissermaßen den Menschen
24:31
zurückzuwerfen in die Härte seines
24:35
Schicksals auf dem Höhepunkt der
24:39
heidiger wie weit hat die Philosophie
24:42
die Aufgabe frei werden zu lassen von
24:45
der Angst oder hat sie nicht die Aufgabe
24:49
den Menschen gerade radikal der Angst
24:53
auszuliefern seine eigene Antwort hat
24:56
heiliger schon gegeben die Philosophie
24:59
habe dem Menschen zuerst einmal einen
25:02
Schrecken einzujagen und ihn
25:04
zurückzuzwingen in jene
25:06
Unbehaustheit aus der er stets aufs Neue
25:10
die Flucht in die Kultur
25:12
antritt kassi aber bekennt sich in
25:16
seiner Antwort zu seinem
25:19
kultuidealismus dass der Mensch die
25:22
Kultur schaffen könne ist das Siegel
25:25
seiner Unendlichkeit ich möchte dass der
25:29
Sinn das Ziel in der Tat die Befreiung
25:32
in diesem Sinne ist Werft die Angst des
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Kassierer ist es um die Kunst des
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Wohnens in der Kultur zu tun heidiger
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aber will den Boden zu einem Abgrund
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Kassierer plädiert für die Arbeit der
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Sinnstiftung durch Kultur für das Werk
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das mit er inneren Notwendigkeit und
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seiner Dauer triumphiert über die
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Kontingenz und Flüchtigkeit der
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Existenz das alles verwirft heiliger mit
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pathetischer Geberde was bleibt sind
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einige wenige Augenblicke von großer
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Intensität man sollte sich nicht mehr
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verhehen dass die höchste Form der
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Existenz des Daseins sich nur zu
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rurückführen lässt auf ganz wenige und
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seltene Augenblicke der Dauer des
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Daseins zwischen Leben und Tod dass der
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Mensch nur in ganz wenigen
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Augenblicken auf der Spitze seiner
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eigenen Möglichkeiten
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existiert ein solcher Augenblick war für
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heidiger beispielsweise der Besuch der
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nächtlichen Messe in der Klosterkirche
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als ihm bewusst wurde wie er in einem
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Brief schrieb die mythische und
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metaphysische Urgewalt der Nacht die wir
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ständig durchbrechen müssen um wahrhaft
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existieren ein solcher Augenblick war
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kindheitsszene die heidiger bei Freunden
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später manches Mal erzählte wie er als
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leuterbub in der noch nächtlichen Frühe
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des Tages im Hausflur von der Mutter die
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Kerze angezündet bekam wie er die Flamme
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mit der hohlen Hand hütend über den
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Platz zur Kirche gegangen sei und dort
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am Altar gestanden und mit den
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Fingerspitzen das herabfließende Wachs
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die Kerze wieder hinaufgeschoben habe
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damit sie länger brenne und doch sei sie
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dann ausgegangen und doch habe er auf
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diesen Moment gewartet indem er ihn
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wenn das Dasein zwei Akte hat die Nacht
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aus der es entspringt und den Tag der
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die Nacht überwindet so richtet kassira
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seine Aufmerksamkeit auf den zweiten Akt
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also den Tag der Kultur heidiger aber
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geht es um den ersten Akt er blickt in
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die Nacht aus der wir
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hervorkommen sein Denken fixiert jenes
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nichts vor dem sich erst ein etwas
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der eine wendet sich dem entsprungenen
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zu der andere dem Ursprung der eine hat
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es mit dem Haus der menschlichen
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Schöpfung zu tun der andere verhart
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fasziniert vor dem abgründigen Geheimnis
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der creatio ex nihilo dass sich stets
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aufs Neue ereignet wenn der Mensch zum
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Bewusstsein seiner Existenz erwacht