Kant: Kritik der reinen Vernunft 1787 (Vorrede B VII) – Dieter Hattrup liest
kant vorrede zur zweiten auflage 1887
den b7 ob die bearbeitung der
erkenntnisse die zum vernunft geschäfte
gehören den sicheren gang einer
wissenschaft gehe oder nicht
das lässt sich bald aus dem erfolg
beurteilen wenn sie nach viel gemachten
anstalten und zu rüstungen sobald es zum
zweck kommt in strecken gerät oder um
diesen zu erreichen öfters wieder
zurückgehen und einen anderen weg
einschlagen muss auch wenn es nicht
möglich ist die verschiedenen
mitarbeiter in der art wie die
gemeinschaftliche absicht erfolgt werden
soll
einhellig zu machen so kann man immer
überzeugt sein dass ein solches studium
bei weitem noch nicht in sicheren gang
einer wissenschaft eingeschlagen sondern
ein bloßes herum toppen sei und es ist
schon ein verdienst um die vernunft
diesen weg womöglich ausfindig zu machen
sollte auch manches als vergeblich
aufgegeben werden müssen was in dem ohne
überlegung vorher genommene zwecke
enthalten war
im b8 dass die logik diesen sicheren
gang schon von den ältesten zeiten her
gegangen sei lässt sich daraus ersehen
dass sie seitdem aristoteles keinen
schritt rückwärts hat tun dürfen wenn
man ihr nicht etwa in die beschaffung
einiger entbehrlicher subtilitäten oder
eine deutlichere bestimmung des
vorgetragenen als verbesserungen
anrechnen will welches aber mehr zur
eleganz als zur sicherheit der
wissenschaft gehört merkwürdig ist noch
an ihr dass sie auch bis jetzt keinen
schritt vorwärts tun können
und also allem ansehen nach geschlossen
und vollendet zu sein scheint denn wenn
einige neuere sie dadurch zu erweitern
dachten dass sie teils psychologische
kapitel von in verschiedenen erkenntnis
kräften der einbildungskraft dem witze
teils metaphysische über den ursprung
der erkenntnis oder der verschiedenen
art der gewissheit nach verschiedener
der objekte den idealismus dem
skeptizismus und so weiter teils
anthropologische von vorurteilen den
ursachen derselben und gegenmittel
hineinschieben so rührt dieses von ihrer
urkunde der eigentümlichen natur dieser
wissenschaft hier
es ist nicht vermehrung sondern
verunstaltung der wissenschaften wenn
man ihre grenzen ineinander laufen lässt
9 die grenze der logik aber ist dadurch
ganz genau bestimmt dass sie eine
wissenschaft ist welche nichts als die
formalen regeln allen denkens es mag a
priori oder empirisch ein einen ursprung
oder objekt haben welchen es wolle
in unserem gemüte zufällig oder
natürliche hindernisse antreffen
ausführlich darlegt und strenge beweist
das ist der logik so gut gelungen ist
diesen vorteil hat sie bloß ihrer
eingeschränkt zu verdanken
dadurch sie berechtigt ja verbunden ist
von allen objekten der erkenntnis und
ihrem unterschiede zu abstrahieren und
in ihr also der verstand es mit nichts
weiter als sich selbst und seiner form
zu tun hat weit schwerer musste es
natürlicherweise für die vernunft sein
den sicheren weg der wissenschaft
einzuschlagen wenn sie nicht bloß mit
sich selbst sondern auch mit objekten zu
schaffen hat daher in jene auch als
gruppe deutet gleichsam nur den vorhof
der wissenschaften ausmacht und wenn von
kenntnissen die rede ist man zwar eine
logik zur beurteilung der selben
voraussetzt
aber die erwerbung derselben in
eigentlich und objektiv sogenannten
wissenschaften suchen muss
sofern in diesen nun vernunft sein soll
so muss darin etwas apriori erkannt
werden und ihre erkenntnis kann auf
zweierlei art auf ihren gegenstand
bezogen werden
entweder diesen und seinen begriff der
anderweitig gegeben werden muss bloß zu
bestimmen oder ihn auch wirklich zu
machen
b 10 die erste ist die theoretische die
andere die praktische erkenntnis der
vernunft von beiden muss der eine teil
so viel oder so wenig er auch enthalten
mag nämlich derjenige darin vernunft
gänzlich apriori objekt bestimmt vorher
allein vorgetragen werden und dasjenige
was aus anderen quellen kommt damit
nicht vermengt werden denn es gibt üble
wirtschaft wenn man blindlings ausgibt
was ein kommt ohne nachher wenn jene ins
stocken gerät unterscheiden zu können
welcher teil der einnahmen den aufwand
tragen können und von welcher man
denselben beschneiden muss mathematik
und physik sind die beiden theoretischen
erkenntnisse der vernunft welche ihre
objekte apriori bestimmen sollen
die erstere ganz rein in die zweite
wenigsten zum teil rein dann aber auch
nach maßgabe anderer erkenntnisquellen
als der vernunft die mathematik ist von
den frühesten zeiten her wohin die
geschichte der menschlichen vernunft
reicht in dem bewundernswerten folge der
griechen den sicheren weg einer
wissenschaft gegangen
allein man darf nicht denken dass es ihr
so leicht geworden wie der logik wo die
vernunft es nur mit sich selbst zu tun
hat einen königlichen weg zu treffen
oder vielmehr sich selbst zu bahnen
b 11
vielmehr glaube ich dass es lange mit
ihr von nämlich noch unter den ägyptern
beim herum tappen geblieben ist und
diese um änderung einer revolution
zuzuschreiben sei die der glückliche
einfall eines einzigen mannes in einem
versuche zustande brachte von welchem an
die bahn in dem man nehmen musste nicht
mehr zu verfehlen war und der sichere
gang einer wissenschaft für alle zeiten
und in unendliche weiten eingeschlagen
und vorgezeichnet war die geschichte
dieser revolution der denkart welche
viel wichtiger war als die entdeckung
des weges um das berühmte vorgebirge und
des glücklichen der sie zustande brachte
ist uns nicht auf behalten
doch beweist die sage welche diogenes
teller erzieher uns überliefert der von
den kleinsten und nach dem gemeinen
urteil gar nicht einmal eines beweises
benötigten elementen der geometrischen
demonstrationen den angeblichen erfinder
nennt das das andenken der veränderung
die durch die erste spur der entdeckung
dieses neuen weges bewirkt wurde den
mathematikern äußerst wichtig geschehen
haben müsse und dadurch unvergesslich
geworden sei den ersten der den
gleichschenkligen trainer demonstrierte
er marken und thales oder wie man will
geheißen haben
dem ging ein licht auf b 12
denn er fand dass er nicht dem was er in
der figur sei oder auch den bloßen
begriffe desselben nachspüren und
gleichsam davon ihre eigenschaften ab
lernen sondern durch das was er nach
begriffen selbst apriori hinein dachte
und da stellte durch konstruktion
hervorbringen müsse und dass er um
sicher etwas apriori zu wissen der sache
nicht beilegen müsse als was aus dem
notwendig folgte was er seinem begriffe
gemäß selbst in sie gelegt hat
mit der naturwissenschaft ging es weit
langsamer zu bis sie den heeres weg der
wissenschaft traf denn es sind dort nur
etwa anderthalb jahrhunderte dass der
vorschlag des sinnreichen werken von
vero lamm in dieser entdeckung teils
veranlasste teils da man bereits auf der
spur derselben war mehr belebte welche
ebenso wohl nur durch eine schnell
vorgegangen revolution der denkart
erklärt werden kann
ich will hier nur die naturwissenschaft
sofern sie auf empirische prinzipien
gegründet ist in erwägung ziehen als
galilei seine kugeln die schiefe fläche
mit einer von ihnen selbst gewählten
schwere herab rollen oder tori treten
die luft ein gewicht was er sich zum
voraus dem einer ihm bekannten
wassersäule gleich gedacht hatte tragen
ließ oder in späterer zeit stahl metalle
im kalk und diesen wiederum in metall
verwandelte indem er ihnen etwas entzug
oder wiedergab
so ging alle naturforschern ein licht
auf 13 erste anmerkung ich folge dir
nicht genau dem faden der geschichte der
experimental methode deren erster
anfänger auch wohl nicht bekannt sind
sie begriffen dass die vernunft nur das
einsieht was sie selbst nach ihrem
entwurf hervorbringt dass sie mit
prinzipien ihrer urteile nach
beständigen gesetzen vorangehen und die
natur nötigen müsse auf ihre fragen zu
antworten nicht aber sich von ihr allein
gleichsam am leid bande gängeln lassen
müsse denn sonst hängen zufällige nach
keinem vor entworfenen plane gemachte
beobachtungen gar nicht in einem
notwendigen gesetze zusammen welches
doch die vernunft sucht und bedarf
die vernunft muss mit ihren prinzipien
nach denen allein übereinstimmende
erscheinungen für gesetze gelten können
in einer hand und mit dem experiment das
ihr nach jenen ausdachte in der anderen
an die natur gehen und zwar um von ihr
belehrt zu werden aber nicht in der
qualität eines schülers der sich alles
vor sagen lässt was der lehrer will
sondern eines bestallten richters der
die zeugen nötigt auf die fragen zu
antworten die er ihnen vorliegt wie 14
und so hat sogar die physik diese
vorteilhafte revolution ihrer denkart
lediglich dem einfall zu verdanken
demjenigen was die vernunft selbst in
den natur- hineinlegt gemäss dasjenige
in ihr zu suchen nicht ihr anzudichten
was sie von dieser lernen muss und wovon
sie für sich selbst nichts wissen würde
hierdurch ist die naturwissenschaft
aller erst in den sicheren gang einer
wissenschaft gebracht worden da sie so
viele jahrhunderte durch nichts weiter
als ein herum tappen gewesen war der
metaphysik einer ganz isolierten
spekulativen vernunft erkenntnis die
sich gänzlich über erfahrungs belehrung
erhebt und zwar durch bloße begriffe
nicht die mathematik durch anwendung
derselben auf anschauen wo also vernunft
selbst ihr eigener schüler sein soll ist
das schicksal bisher noch so günstig
nicht gewesen dass sie den sicheren gang
einer wissenschaft einzuschlagen
vermocht hätte ob sie gleich älter ist
als alle übrigen und bleiben würde
wenngleich die übrigen insgesamt in dem
stunde einer alles vertilgen barbara
gänzlich verschlungen werden sollten
denn in ihr gerät die vernunft
kontinuierlich ins stocken
selbst wenn sie diejenigen gesetze
welche die gemeinste erfahrung bestätigt
wie sie sich anmaßt apriori einsehen
will die 15
in ihr muss man unzählige male den weg
zurück tun weil man findet dass er nicht
dahin führt wo man hin will und was die
einhelligkeit ihrer anhänger in
behauptungen betrifft so ist sie noch so
weit davon entfernt dass sich vielmehr
ein kampfplatz ist der ganz eigentlich
dazu bestimmt zu sein scheint dass seine
kräfte im spiel gefechte zu üben
auf dem noch niemals irgendein vechta
sich auch den kleinsten platz hat er
kämpfen und auf seinen sieg einen
dauerhaften besitz gründen können
es ist also kein zweifel dass ihr
verfahren bisher ein bloßes herum tappen
und was das schlimmste ist unter bloßen
begriffen gewesen sei woran liegt es nun
dass hier noch kein sicherer weg der
wissenschaft hat gefunden werden können
ist er etwa unmöglich woher hat den die
natur unsere vernunft mit der rastlosen
bestrebung heimgesucht ihm als einer
ihrer wichtigsten angelegenheit
nachzuspüren noch mehr die wenig haben
wir ursache vertrauen in unsere vernunft
zu setzen wenn sie uns in einem der
wichtigsten stücke unserer wissbegierde
nicht bloß verlässt sondern durch
spiegelungen hinhält und am ende
betrügt
oder ist der weg bisher nur verfehlt
welche anzeige können wir benutzen um
bei erneutem nachsuchen zu hoffen dass
wir glücklicher sein werden als andere
vor uns gewesen sind b16 ich sollte
meinen die beispiele der mathematik und
naturwissenschaften die durch eine auf
einmal zustande gebrachten revolution
das geworden sind was sie jetzt sind
wären merkwürdig genug um den
wesentlichen stücke der um änderung der
denkart die ihnen sofort haft geworden
ist nachzusinnen und ihnen so viel ihre
analogie als vernunft erkenntnisse mit
der metaphysik verschattet ihren
wenigstens zum versuche nachzuahmen
bisher nahm man an alle unsere
erkenntnis müsse sich nach den
gegenständen richten
aber alle versuche über sie apriori
etwas durch begriffe auszumachen
wodurch unsere erkenntnis erweitert
würde gingen unter dieser voraussetzung
zunichte
man versuche es daher einmal ob wir
nicht in den aufgaben der metaphysik
damit besser fortkommen das wir annehmen
die gegenstände müssen sich nach unserer
erkenntnis richten
welches so schon besser mit der
verlangten möglichkeit einer erkenntnis
derselben apriori zusammen stimmt die
über gegenstände die sie uns gegeben
werden
etwas festsetzen soll es ist hier mit
ebenso als mit den ersten gedanken des
kopernikus brand der nach dem es mit der
erklärung der himmels bewegungen gar
nicht gut ford wollte wenn er annahm das
ganze sternen her drehe sich um den
zuschauer versuchte ob es nicht besser
gelingen möchte wenn er den zuschauer
sich drehen und dagegen die sterne in
ruhe ließ b 17 in der metaphysik kann
man nun was die anschauung der
gegenstände betrifft es auf ähnliche
weise versuchen wenn die anschauen sich
nach der beschaffenheit der gegenstände
richten müsste so sehe ich nicht ein wie
man apriori von ihr etwas wissen können
richtet sich aber dagegen stand als
objekt der sinne
nach der beschaffenheit unseres
anschauungs vermögens so kann ich mir
diese möglichkeit ganz wohl vorstellen
weil ich aber bei diesen anschauungen
wenn sie erkenntnisse werden sollen
nicht stehen bleiben kann sondern sie
als vorstellungen auf irgendetwas als
gegenstand beziehen und diesen durch
jene bestimmen muss so kann ich entweder
annehmen die begriffe wodurch ich diese
bestimmung zustande bringe richten sich
auch nach dem gegenstand und dann bin
ich wiederum in derselben verlegenheit
wegen der art wie ich apriori hiervon
etwas wissen können oder ich nehme an
der gegenstand oder welches einerlei ist
die erfahrung in welcher sie allein als
gegebene gegenstände erkannt werden
richte sich nach diesen begriffen so
sehe ich sofort eine leichtere auskunft
weil erfahren selbst eine erkenntnis
artist die verstand erfordert dessen
regelt ich in mir noch mehr gegenstände
gegeben werden
mit in a priori voraussetzen muss welche
inbegriffen apriori ausgedrückt wird
nach denen sich also alle gegenstände
der
fahren notwendig richten und mit ihnen
übereinstimmen müssen b18 was
gegenstände betrifft sofern sie bloß
durch vernunft und zwar notwendig
gedacht die aber so wenigstens wie die
vernunft sie denkt gar nicht in der
erfahrung gegeben werden können
so werden die versuche sie zu denken
denn denken müssen sie sich doch lassen
herr nach einem herrlichen pro birstein
desjenigen abgeben was wir als die
veränderte methode der denkungsart
annehmen dass wir nämlich von den dingen
nur das apriori erkennen was wir selbst
in sie hinein legen zweite anmerkung
diese dem naturforscher nachgeahmte
methode besteht also darin die elemente
der reinen vernunft in dem zu suchen was
sich durch ein experiment bestätigen
oder widerlegen lässt
nun lässt sich zur prüfung der sätze der
reinen vernunft vornehmlich wenn sie
über alle grenzen möglicher erfahrung
hinaus gewagt werden
kein experiment mit ihren objekten
machen wie in der naturwissenschaft also
wird es nur mit begriffen und
grundsätzen die wir apriori annahmen tun
nicht sein indem man sie nämlich so
einrichten dass diese gegenstände
einerseits als gegenstände der sinne und
des verstandes für die erfahren
andererseits aber doch als gegenstände
die man bloß denkt allenfalls für die
isolierte und über die erfahrungs grenze
hinaus streben der vernunft mithin von
zwei verschiedenen seiten betrachtet
werden können
19 findet es sich nun dass wenn man die
dinge aus jenem doppelten gesichtspunkte
betrachtet übereinstimmung mit dem
prinzip der reinen vernunft stattfinde
bei einer leihe gesichtspunkt aber ein
unvermeidlicher wieder streiter vernunft
mit sich selbst entspringen
so entscheidet das experiment für die
richtigkeit jener unterscheidung weiter
wie 19
an dieser versuch gelingt nach wunsch
und widerspricht der mit der physik in
ihrem ersten teile darf sie sich nämlich
mit begriffen apriori beschäftigt davon
die korrespondierenden gegenstände in
der erfahrung jenen angemessen gegeben
werden können
den sicheren
einer wissenschaft 19
denn man kann nach dieser veränderung
der denkt die möglichkeit einer
erkenntnis a priori ganz wohl erklären
und was noch mehr ist die gesetze welche
apriori der natur als dem inbegriff der
gegenstände der erfahrung zugrunde
liegen mit ihren genug tuenden beweisen
versehen welches beides nach der
bisherigen verfahrensart unmöglich ist
aber es ergibt sich aus dieser reduktion
unseres vermögens apriori zu erkennen
im ersten teil der metaphysik ein
befremdliches und dem ganzen zwecke
derselben der den zweiten teil
beschäftigt dem anschein nach sehr
nachteiliges resultat nämlich dass wir
mit ihm nie über die grenze mögliche
erfahrung hinaus kommen können welches
doch gerade die wesentlichste
angelegenheit dieser wissenschaft ist
b20 aber hierin liegt eben das
experiment einer gegenprobe der wahrheit
des resultates jener ersten würdigung
unserer vernunft erkenntnis apriori dass
sie nämlich nur auf erscheinungen gehe
die sache an sich selbst dagegen zwar
als für sich wirklich aber von uns
unerkannt liegen lassen
denn das was uns notwendig über die
grenze der erfahrung und aller
erscheinungen hinauszugehen treibt ist
das unbedingte welches die vernunft
innen dingen an sich selbst notwendig
und mit allem recht zu allem bedingten
und dadurch die reihe der bedingungen
als vollendet verlangt findet sich nun
wenn man annimmt
unsere erfahrung erkenntnis richte sich
nach den gegenständen als dingen an sich
selbst dass das unbedingte ohne
widerspruch gar nicht gedacht werden
könne dagegen wenn man annimmt
unsere vorstellung der dinge wie sie uns
gegeben werden richte sich nicht nach
diesen als dingen an sich selbst sondern
diese gegenstände vielmehr als
erscheinungen richten sich nach unserer
vorstellung sad der widerspruch
wegfallen und das folglich das
unbedingte nicht an dingen sofern wir
sie erkennen sie uns gegeben werden
wohl aber an ihnen sofern wir sie nicht
kennen
als sachen an sich selbst angetroffen
werden müsse so zeigt sich das was wir
anfangs nur zum versuche annahmen
gegründet sei b21 anmerkung 3
dieses experiment der reinen vernunft
hat mit dem der chemiker welches sie
manchmal den versuch der reduktion im
allgemeinen aber das synthetische
verfahren nennen viel ähnlichkeit die
analyse des meta physikers schied die
reine erkenntnis apriori in zwei sehr
ungleich artige elemente nämlich die der
dinge als erscheinungen und dann der
dinge an sich selbst die dialektik
verbindet beide wiederum zur
einhelligkeit mit der notwendigen
vernunft idee des unbedingten und findet
dass diese einhelligkeit niemals anders
als durch jene unterscheidung
herauskomme welche also die ware ist
weiter b 21
nun bleibt uns immer noch übrig nachdem
der spekulativen vernunft alles
fortkommen in diesem felde des
übersinnlichen abgesprochen worden zu
versuchen
ob sich nicht in ihrer praktischen
erkenntnis data finden jenen
transzendenten vernunft begriff des
unbedingten zu bestimmen und auf solche
weise dem wunsche der metaphysik gemäss
über die grenze aller möglichen erfahren
hinaus mit unserem aber nur in
praktische absicht möglichen erkenntnis
apriori zu gelangen
und bei einem solchen verfahren hat uns
die spekulative vernunft zur solche
erweiterung immer noch wenigstens platz
verschafft wenn sie ihn gleich wieder
lassen musste und es bleibt uns also
noch unbenommen ja wir sind gar dazu
durch sie aufgefordert in durch
praktische data derselben wände können
auszufüllen
anmerkung 4 so verschafften die zentrale
gesetze der bewegung der himmelskörper
dem was kopernikus anfänglich nur als
hypothese annahm ausgemachte gewissheit
und bewiesen zugleich die unsichtbare
den welt bau verbindende kraft der
notorischen anziehung welche auf immer
unentdeckt geblieben wäre wenn der erste
es nicht gewagt hätte auf eine
widersinnige aber doch wahre art die
beobachteten bewegungen nicht in den
gegenständen des himmels sondern in
ihrem zuschauer zu suchen
ich stelle in dieser vorrede die in der
kritik vorgetragen jener hypothese
analoge um änderung der denkt auch nur
als hypothese auf obwohl sie in der
abhandlung selbst aus der beschaffenheit
unserer vorstellungen von raum und zeit
und den elementar begriffen des
verstandes nicht hypothetisch sondern
apodiktisch bewiesen wird um nur die
ersten versuche einer solchen um
änderung welche alemanno poetisch sind
bemerkt ich zu machen
weiter b22 in jenem versuche das
bisherige verfahren der metaphysik
umzuändern
und dadurch dass wir nach dem beispiel
der geometer und naturforscher eine
gänzliche revolution mit derselben
vornehmen besteht nur das geschäft
dieser kritik der reinen spekulativen
vernunft
sie ist ein traktat von der methode
nicht ein system der wissenschaft selbst
aber sie verzeichnet gleichwohl den
ganzen umriss derselben sowohl in
ansehung ihrer grenzen als auch den
ganzen inneren glieder bau derselben 23
denn das hat dir eine spekulative
vernunft als eigentümlichkeit ansicht
dass ihr eigenes vermögen nach
verschiedenheit der art wie sie sich
objekte zum denken welt ausmessen und
auch selbst die mancherlei arten sich
aufgaben vorzulegen vollständig vor
zählen und so den ganzen foris zu einem
system der mit der physik verzeichnen
kann und soll
weil was das erste betrifft in der
erkenntnis apriori den objekten nichts
beigelegt werden kann
als was das denken das objekt aus sich
selbst her nimmt und was das zweite
anlangt sie in ansehung der erkenntnis
prinzipien eine ganz abgesonderte für
sich bestehende einheit ist in welcher
an jedes glied wie in einem
organisierten körper um alle anderen und
alle um eines willen da sind und kein
prinzip mit sicherheit in einer
beziehung genommen werden kann ohne es
zu gleich in der durchgängigen beziehung
zum ganzen reinen vernunft gebraucht
untersucht zu haben
dafür aber hat auch die metaphysik das
seltene glück welches keine anderen
vernunft wissenschaft die es mit
objekten zu tun hat denn die logik
beschäftigt sich nur mit der form des
denkens überhaupt zuteil werden kann
dass wenn sie durch diese kritik in den
sicheren gang einer wissenschaft
gebracht worden ist sie das ganze feld
der für sie gehörigen erkenntnisse
völlig befassen und also ihr werk
vollenden und für die nachwelt als eine
nie zu vermehren haupt stuhl zum
gebrauchen niederlegen kann wie 24 weil
sie es bloß mit prinzipien und den
einschränkungen ihres gebrauchs zu tun
hat welche durch jene selbst bestimmt
werden
zu dieser vollständigkeit ist sie daher
als grund wissenschaft auch verbunden
und von ihr muss gesagt werden können
lilac domrep utans sieg mit super asset
agenda sie hat nichts für getan wenn
noch etwas zu tun ist
aber was ist denn das wird man fragen
für einen schatz den wir der
nachkommenschaft mit einer solchen durch
kritik geläuterten dadurch aber auch in
einen beharrlichen zustand gebrachten
metaphysik zu hinterlassen gedenken
man wird bei einer flüchtigen übersicht
dieses werkes wahrzunehmen glauben dass
der nutzen davon doch nur ein negativer
sei uns nämlich mit der spekulativen
vernunft niemals über die erfahrungs
grenze hinaus zu wagen
und das ist auch in der tat ihr erster
nutzen diese aber wird bald positiv wenn
man ihnen wird dass die grundsätze mit
denen sich spekulative vernunft über
ihre grenzen hinaus wagt in der tat
nicht erweiterung sondern wenn man sie
näher betrachtet verengung unseres
vernunft gebrauch es zum
unausweichlichen erfolge haben nehmen
sie wirklich die grenzen der
sinnlichkeit zu der sie eigentlich
gehören mb 25 über alles zu erweitern
und zu dem reinen praktischen vernunft
gebrauch gar zu verdrängen drohen daher
ist eine kritik welche die erste
einspringt insofern zwar negativ aber
indem sie dadurch zugleich ein hindernis
welche den letzteren gebrauch 1
oder gar zu vernichten droht aufhebt in
der tat von positiven und sehr wichtige
nutzen sobald man überzeugt wird dass es
einen schlechterdings notwendigen
praktischen gebrauch der reinen vernunft
den moralischen gebrauch gebe in welchen
sie sich unvermeidlich über die grenzen
der sinnlichkeit erweitert dazu sieht
zwar von der spekulativen vernunft
keiner bei hilfebedarf dennoch aber
wieder ihre gegen wirkung gesichert sein
muss um nicht in widerspruch mit sich
selbst zu geraten
in diesem dienste der kritik den
positiven nutzen abzusprechen wäre
ebenso viel als zu sagen dass die
polizei keinen positiven nutzen schaffen
weil ihr haupt geschäfte doch nur ist
der gewalttätigkeit welche bürger von
bürgern zu besorgen haben einen riegel
vorzuschieben damit ein jeder seine
angelegenheit ruhig und sicher treiben
können
das raum und zeit nur formen der
sinnlichen anschauen also nur
bedingungen der existenz der dinge als
erscheinungen sind dass wir fördern und
keine verstandes begriffe mit denen auch
gar keine elemente zur erkenntnis der
dinge haben als sofern diesen begriffen
korrespondierende anschauung gegeben
werden kann
b 26 folglich wir von keinem
gegenstandes als dinge an sich selbst
sondern nur sofern das objekt der
sinnlichen anschauung ist das heißt als
erscheinung erkenntnis haben können mit
dem analytischen teile der kritik
bewiesen
woraus dann freilich die einschränkung
aller nur möglichen spekulativen
erkenntnis der vernunft auf bloße
gegenstände der erfahrung folgt
gleichwohl wird welches wohl angemerkt
werden muss
doch dabei immer vorbehalten dass wir
eben dieselben gegenstände auch als
dinge an sich selbst wenngleich nicht
erkennen
doch wenigstens müssen denken können
anmerkung 5 einen gegenstand erkennen
dazu wird erfordert dass ich seine
möglichkeit es sei nach dem zeugnis der
erfahrung aus seiner wirklichkeit oder
apriori durch vernunft beweisen können
aber denken kann ich was ich will wenn
ich mir nur nicht selbst wieder sprecher
das ist wenn mein begriff nur ein
möglicher gedanke ist ob ich zwar dafür
nicht stehen kann
ob im inbegriff aller möglichkeiten
diesem auch ein objekt korrespondieren
oder nicht um einem solchen begriffe
aber objektive gültigkeit also reale
möglichkeit denn die erste war bloß die
logische weit zu legen
dazu wird etwas mehr erfordert dieses
mehrere aber braucht eben nicht in
theoretischen erkenntnisquellen gesucht
zu werden
es kann auch in praktischen liegen
weiter b 26 denn sonst würde der
ungereimte satz daraus folge dass
erscheinung ohne etwas wehren was da
erscheint b 27 nun wollen wir annehmen
die durch unsere kritik notwendig
gemacht unterscheidung der dinge als
gegenstände der erfahrung von eben
denselben dingen an sich selbst wäre gar
nicht gemacht so müsste der grundsatz
der kausalität und mithin der natur
mechanismus in bestimmung derselben
durchaus von allen dingen überhaupt als
wirkenden ursachen gelten
von eben diesem wesen also zb der
menschlichen seele würde ich nicht sagen
können ihr wille sei frei und er sei
doch zugleich der natur notwendigkeit
unterworfen das heißt nicht frei ohne in
einen offenbaren widerspruch zu geraten
weil ich die seele in beiden sätzen in
eben derselben bedeutung nämlich als
ding überhaupt als sache an sich selbst
genommen habe ohne vorhergehende kritik
auch nicht anders nehmen konnte wenn
aber die kritik nicht geirrt hat da sie
das objekt in zweierlei bedeutung nehmen
wird nämlich als erscheinung oder als
ding an sich selbst wenn die reduktion
ihrer verstandes begriffe richtig ist
mithin auch der grundsatz der kausalität
nur auf dinge im ersten sinne genommen
werden nämlich sofern sie gegenständen
erfahrung sind geht eben dieselbe aber
nach der zweiten bedeutung im nicht
unterworfen sind so wird eben derselbe
wille in der erscheinung den sichtbaren
handlungen als dem naturgesetz notwendig
gemäss und sofern nicht frei und doch
andererseits als einem dinge an sich
selbst an gehörig jenem nicht
unterworfen mithin als frei gedacht ohne
dass hierbei ein widerspruch vorgeht
die 28 ob ich nun gleich meine seele von
der letzteren seite betrachtet durch
keine spekulative vernunft noch weniger
durch empirische beobachtung mit den
auch nicht der freiheit als eigenschaft
eines wesens dem ich wirkungen in der
sin welt zu schreiber kennen kann
denn darum weil ich ein solches seiner
existenz nach und doch nicht in der zeit
bestimmt erkennen müssen welches weil
ich meine begriffe keine anschauung
unterlegen kann unmöglich ist
so kann ich mir doch die freiheit denken
das heißt die vorstellung davon enthält
wenigstens keinen widerspruch in sich
wenn unsere kritische unterscheidung
beide der sinnlichen und intellektuellen
vorstellungs arten und die davon
herrührende einschränkungen der reine
verstandes begriffe mit denen auch der
aus ihnen fließenden grundsätze stadt
hat
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